Bundestagswahl 2017

Wachse oder weiche nicht der Maßstab

By September 21, 2017 No Comments

In der EU-Agrarpolitik ist laut Heike Kunzelmann ein grundsätzlicher Wandel angesagt. Die AfD-Politikerin fordert mehr Markt, lehnt aber zugleich eine rein auf Globalisierung ausgerichtete Landwirtschaft ab.

Täuscht der Eindruck oder ist die AfD eine monothematische Partei ohne nennenswerte agrarpolitische Ambitionen?

Heike Kunzelmann: Der Eindruck täuscht definitiv. Landwirtschaft und ländliche Räume sind für uns wichtige Themen, auch wenn in das in der Berichterstattung über die AfD nicht deutlich wird.

Ihre Partei fordert den Abbau der EU-Agrarsubventionen und den Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft: Klingt schon ein wenig nach Mainstream.

Kunzelmann: Wir plädieren in der Agrarpolitik für einen Wandel mit Augenmaß. Ja, wir sind für einen Abbau der Agrarsubventionen, aber nicht, weil wir den Landwirten etwas nehmen wollen: Die Bauern sollen in der Lage sein, am Markt ihr Einkommen zu erwirtschaften. Wir wollen keinen kurzfristigen Kahlschlag in der Agrarpolitik, aber spätestens seit dem Brexit ist doch klar, dass es in der EU, und damit in der Gemeinsamen Agrarpolitik, so nicht weitergehen kann.  Und unter bäuerlichen Strukturen versteht die AfD nicht nur den klassischen Familienbetrieb, sondern beispielsweise auch Genossenschaften. Das alles sind Strukturen aus den Regionen für die Regionen. Landwirte sind die Minderheit in den ländlichen Gebieten, aber sie stehen dort für Strukturen aus denen sich vieles andere ergibt – wirtschaftlich und sozial.

Heike Kunzelmann

Sprecherin des AfD-Bundesfachausschuss

Sprecherin des AfD-Bundesfachausschuss für Umwelt, Natur- und Tierschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Digitalökonomie. Die studierte Betriebswirtin und Landwirtstochter aus Franken steht der Gentechnik kritisch gegenüber.

Da würde Ihnen fast jeder Recht geben und wieder sind wir beim agrarpolitischen Mainstream.

Kunzelmann: In diesen Kategorien denken und handeln wir nicht. Politik für Landwirtschaft und ländliche Räume muss sich an Effizienz orientieren. Agrarpolitik muss aber zugleich dafür sorgen, dass nicht „wachse oder weiche“ der einzige Maßstab ist, wenn es um Landwirtschaft und Lebensmittel geht.

 Und deswegen lehnen Sie die „Gentechnik“ grundsätzlich ab?

Kunzelmann: Bei dem Thema zeigt die Saatgut- und Lebensmittelindustrie nicht die notwenige Offenheit. Unzählige Studien, die sich kritisch mit dieser Technologie beschäftigen, werden einfach vom Tisch gewischt. Das geht nicht. Mit den neuen Züchtungsmethoden wie CRISPR/Cas, quasi Gentechnik für Fortgeschrittene, ist es das Gleiche. Es geht um einen fundamentalen Eingriff in das Erbgut. Es wird Gott gespielt ohne über dessen Weisheit zu verfügen.

Das Interview führte Dietrich Holler, vox viridis, Berlin