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„Es bestehen Probleme in der Tierhaltung“

By Juni 29, 2018 No Comments

Albert Stegemann sorgt sich um die gesellschaftliche Akzeptanz der Landwirtschaft. Dem möchte der Agrarsprecher der CDU-Bundestagsfraktion mit emotionalerer Kommunikation und besserer Technologie begegnen.

Auf Ihrer agrarpolitischen Agenda stehen der ökologische Fußabdruck, gesellschaftliche Akzeptanz und Tierwohl. Die Union hört sich selbst im Emsland mittlerweile sehr grün an.

Albert Stegemann: Wir sollten uns nicht an Begriffen abarbeiten. Die Union hat sich schon immer dafür eingesetzt, die Schöpfung zu erhalten, auch und vor allem in der Agrarpolitik. Das ist nicht neu. Und wenn es Ihnen lieber ist, können Sie von „ökologischer Verantwortung“ reden. Damit fängt die Landwirtschaft nicht erst jetzt an. Bestimmte Probleme bestehen aber einfach. So muss das Nährstoff-Management in Regionen mit intensiver Tierhaltung verbessert werden. Technologisch ist es beispielsweise möglich, Wirtschaftsdünger zu einer Art kompatiblen Mineraldünger zu machen. Das ist ein sehr großer Fortschritt. Wo sich etwas zum Schutz der natürlichen Ressourcen verbessern lässt, müssen wir das tun. Entscheidend ist aber, dass wir hierbei nicht die Lebensmittelversorgung aus den Augen verlieren.

Albert Stegemann

Agrarpolitischer Sprecher der CDU

Niedersachse in Berlin: Albert Stegemann ist direkt gewählter Abgeordneter. Der Landwirt vertritt im Bundestag die Grafschaft Bentheim und das Emsland.

Ist das mit der gesellschaftlichen Akzeptanz nicht doch eine Debatte von Eliten?

Stegemann: Gehen Sie mal zu einem Grillabend irgendwo in Deutschland. Da liegen die Steaks auf dem Grill und die Leute sind felsenfest davon überzeugt, dass wir ein Riesenproblem mit Nitrat im Grundwasser haben und die Landwirtschaft daran schuld ist. An der Diskussion kommt ein Agrarpolitiker nicht vorbei. Im städtischen Umfeld ist das sehr viel deutlicher zu spüren, aber auf dem Land wird das ebenfalls debattiert.

„Die Zeit ist reif für eine emotionale Kampagne“

Wie begegnen Sie dem als Agrarpolitiker und Landwirt?

Stegemann: Tatsächliche Probleme müssen wie geschildert behoben werden. Darüber hinaus kommen wir nicht daran vorbei, uns mit den von wem auch immer geschürten Misstrauen kommunikativ auseinander zu setzen. Das größte Problem der landwirtschaftlichen Kommunikation ist, dass wir in einer emotional geführten Debatte stets rein sachlich argumentieren. Natürlich müssen die Fakten stimmen, aber die Zeit ist reif für eine Kampagne, die diese Sachargumente emotionaler und verständlicher rüberbringt.

Sie wollen den Wettbewerb mit den Nicht-Regierungsorganisationen, statt Allianz in der Bevölkerung zu suchen?

Stegemann: Die Akzeptanzdebatte ist einfach da. Das haben die Nicht-Regierungsorganisationen schon gut geschafft. Und an den Allianzen mit der Bevölkerung arbeiten wir jeden Tag. Wer setzt denn die Maßstäbe? Die Bürgerinnen und Bürger senden uns Signale, die wir nicht ignorieren können. Die Gesellschaft ändert sich und das können Sie gut oder schlecht finden, aber nicht ausblenden. Exakt das hat unsere Ministerin Julia Klöckner erkannt. Sie ist eine Meisterin im Dialog und ihr kann es gelingen, über Jahre hinweg aufgebaute Fronten in der Diskussion zu versöhnen – in der Gesellschaft und in der Politik. Frau Klöckner bringt die Dinge zusammen. Als Abgeordneter ist es meine erste Aufgabe, die Regierung und damit auch die Ministerin zu kontrollieren, aber über den sehr professionellen Dialog der Ministerin freue ich mich sehr.

Bleibt noch der dritte Punkt Ihrer Agenda: Tierwohl.

Stegemann: Es ist gut, dass Ministerin Klöckner einen Entwurf für ein Tierwohllabel zeitnah vorlegen wird. Wir befinden uns aber noch am Anfang der Debatte. Für den Erfolg kommt es dabei auf eine breite Marktdurchdringung an. Wir wollen möglichst viel Tierwohl auf möglichst viele Höfe bringen. Dazu müssen wir diejenigen Landwirte mitnehmen, die bereits heute in der Initiative Tierwohl engagiert sind. Mehr Tierwohl kann der Verbraucher am Ende aber nur bekommen, wenn er bereit ist, mehr Geld für seine Lebensmittel auszugeben.

Das Gespräch führte Dietrich Holler, vox viridis, Berlin